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Brüsselreise 2018

 

Die Landjugend-Spitzen im Herzen der EU

Bildungsreise zur EU-Kommission und anderen Institutionen nach Brüssel

 

Vier spannende Tage verbrachten 24 Landjugendliche aus ganz Österreich von 25. bis 28. März in Brüssel, wo sie das vielseitige Wirken Österreichs in der EU hautnah erlebten und sich in der aktuell politisch turbulenten Zeit direkt ein Bild machen konnten. Das Programm war sehr intensiv und abwechslungsreich. Besucht wurden die Ständige Vertretung Österreichs bei der EU, die Copa-Cogeca, der Rat der europäischen Junglandwirte (CEJA), das EU-Parlament sowie die EU-Kommission. Mit vielen positiven Eindrücken kehrten die Landjugendlichen wieder in ihre Heimat zurück.

 

„Was bedeutet die EU für mich?“

 

Diese Frage stellten sich die Landjugendlichen gleich zu Beginn der Reise. Die Rolle und Aufgaben der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU erläuterte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Mirjam Dondi, Botschaftsrätin und Leiterin des Besuchs- und Informationsdienstes. Sie gewährte damit einen Blick hinter die Kulissen und betonte, dass die Vielfalt der Mitgliedstaaten eine Herausforderung sein kann und die EU stets nur das umsetzen kann, was diese zulassen. Ein wichtiges Motto sollte dabei immer sein: „Nicht DIE in der EU, sondern WIR in Europa“.

 

Auch die Schwerpunkte des bevorstehenden österreichischen EU-Ratsvorsitzes ab 1. Juli 2018 standen im Vordergrund der Brüsselreise. Unter dem Motto „Europa, das schützt“, wird sich Österreich auf drei Hauptthemen konzentrieren: Sicherheit und Kampf gegen illegale Migration, Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung sowie Stabilität in der Nachbarschaft (insbesondere Heranführung des Westbalkans an die EU). Anschließend gab Andreas Thurner, Leiter des Brüssel Büros der Landwirtschaftskammer Österreich, einen Überblick über die Aufgaben der bäuerlichen Interessenvertretung auf europäischer Ebene. Er berichtete über die Aufstellung der LKÖ in Brüssel und verwies auf die damit einhergehenden guten Zugänge zu den Gremien, wodurch zahlreiche Synergien nutzbar werden. Thurner zeigte auch auf, dass in der Diskussion über das EU-Budget zu wenig Bedacht darauf genommen werde, dass die Agrarpolitik der einzige Bereich ist, der „vergemeinschaftet“ ist, was bedeutet, dass er nahezu ausschließlich aus dem EU-Haushalt finanziert wird. Aktuell vorherrschende Themen sind neben der GAP-Reform, die Stärkung der Landwirtschaft in der Lebensmittelwertschöpfungskette sowie die Bekämpfung unfairer Handelspraktiken.

 

Ein Besuch der Copa-Cogeca stand anschließend ebenfalls am Programm. Der EU-Landwirte- und Genossenschaftsverband vereinigt 60 Bauernverbände mit 11 Mio. Landwirten sowie 30 Genossenschatsverbände mit ihren 22.000 Genossenschaften und tritt mit geeinter Stimme auf. Derzeitiger Präsident ist Joachim Rukwied aus Deutschland, einer der Vizepräsidenten ist Präsident ÖkR Ing. Franz Reisecker aus Oberösterreich. Auch Valentin Opfermann, ehemaliger Mitarbeiter der LK Österreich und aktuell Referent bei Copa-Cogeca für Umweltfragen, Nachhaltigkeit und Forschung, gab uns Einblicke in sein Arbeitsfeld. Als Junglandwirt aus dem Burgenland ist er nach zehn Jahren wieder der erste österreichische Mitarbeiter bei Copa-Cogeca in Brüssel und konnte daher sehr persönlich und spannend seinen Blickwinkel über die EU begreifbar machen. Für uns Jugendliche und auch Junglandwirte spielt der Rat der Europäischen Junglandwirte (CEJA) eine bedeutende Rolle, der 2 Mio. Junglandwirte aus ganz Europa vertritt. Generalsekretärin Alessia Musumarra klärte die Landjugendlichen über die Aufgaben und die aktuellen Projekte auf. Gerade für Zukunftsfragen über den ländlichen Raum sind die Meinungen und Wünsche der Jugendlichen gefragt. Daher nehmen die Delegierten der Landjugend Österreich, Alexander Bernhuber, Thomas Niederhauser und Pauline Payrhuber, regelmäßig an den Sitzungen teil, um dort die Positionen und Anliegen ihrer Organisation einzubringen.

 

Landjugend zu Besuch im Europäischen Parlament

Eine besondere Ehre war es, dass sich sogar Othmar Karas, seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments, Zeit genommen hat, um den Landjugendlichen Rede und Antwort zu stehen. Gemeinsam wurde über die Unterschiede zwischen der Arbeit im EU- im Vergleich zum österreichischen Parlament, über die anstehende Reform der GAP, die EU-Russland Beziehungen und den Brexit im Zusammenhang mit der Nordirland-Frage diskutiert. Die Landjugend möchte an dieser Stelle auch einen besonderen Dank für die finanzielle Unterstützung aussprechen, durch die diese Reise erst ermöglicht wurde. Finanzielle Unterstützung für dies Bildungsreise gab es auch vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres.

 

Einen Pflichtbesuch ist auch das Parlamentarium wert. Hier wird durch multimediale Installationen mit interaktiven Elementen den Besuchern Wissenswertes über die EU, ihre Institutionen und die Abgeordneten vermittelt. Spätestens hier wurde den Landjugendlichen klar, dass Europa nicht langweilig und ganz und gar nicht trocken ist.

 

„Hüterin der Verträge“ und die Lebensmittelsicherheit im EU-Binnenmarkt

 

Als letzter Programmpunkt wurde die „Hüterin der Verträge“ besucht. Die EU-Kommission überwacht die Einhaltung des Europarechts durch die EU-Mitgliedstaaten. Andrea Hildwein-Scheele erläuterte den Landjugendlichen die Rolle der EU-Kommission und gab einen Überblick über das zentrale Thema Lebensmittelsicherheit im EU-Binnenmarkt. In der EU unterliegen Lebensmittel festgelegten Normen und strengen Kontrollen, die zwingend notwendig sind, um eine hohe Qualität zu gewährleisten. Heiß diskutiert wurde dabei über die Herausforderungen, die mit den Freihandelsgesprächen zwischen der EU und dem südamerikanischen Handelsblock MERCOSUR auf die heimische Landwirtschaft zukommen würden. Passend zum aktuellen Schwerpunkt „Daheim kauf ich ein“ unterstrich die Landjugend Österreich in diesem Zusammenhang auch nochmals die Forderung nach einer europaweiten Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Produkten. „Die Konsumenten haben das Recht auf Nachvollziehbarkeit über Herkunft und Haltungsform von verarbeiteten Nahrungsmitteln“, deponierte der Bundesvorstand der Landjugend Österreich seine Meinung direkt an oberster Stelle in der EU-Kommission.

 

Gespräch über den Wolken

„Politiker sind auch nur Menschen“. Ein ganz unerwarteter und sehr persönlicher Moment war ein Zusammentreffen mit dem sympathischen EU-Abgeordneten Lukas Mandl auf dem Rückflug nach Österreich. Mandl hat erst im Vorjahr das Abgeordnetenmandat von Elisabeth Köstinger übernommen. Auf diese Weise durften die Landjugendlichen einiges über das doch sehr stressige und herausfordernde Leben eines bedeutenden Politikers erfahren. Das eine oder andere Thema für den "Bundesentscheid Reden" wurde auf diesem Flug festgelegt und ausgearbeitet. Eines darf schon verraten werden - es ist auch ein Thema von Lukas Mandl dabei.

 

In Vielfalt geeint: „Nicht die in der EU, sondern wir in Europa“

„Europa fängt bei uns daheim in unseren Tälern, Dörfern und Gemeinden an! Es ist wichtig, dass wir Jugendliche den europäischen Gedanken positiv hinaustragen, da viele Entscheidungen der EU direkt unsere Heimatregionen betreffen. Dazu ist es aber notwendig, seinen eigenen Beitrag zu leisten,  durch genauere Recherchen und Informationen oder persönliche Kontakte vor Ort, um die EU besser zu verstehen“, kehrten die Landjugendlichen mit vielen positiven Eindrücken wieder nach Österreich zurück. Der Bundesvorstand meint nach der Brüsselreise abschließend: „Es ist wichtig, dass wir uns als Landjugend weiterhin für Europa und die EU engagieren, weil es sich dabei um ein großartiges Projekt handelt, das uns Frieden und Wohlstand bringt. Austrittsgedanken stärken nur die Unsicherheit und sind keine Lösung für die komplexen Herausforderungen, die es aktuell und künftig grenzüberschreitend zu meistern gilt. Trotz aller berechtigten Kritik an Krisen, Bürokratie und Regulierungen, die in der Bevölkerung vielfach besteht, dürfen die Erfolge der EU nicht durch Gerüchte und Halbwahrheiten geschmälert werden. Vielmehr gilt es, die Wahrheiten, Rechte und Vorteile noch mehr aufzuzeigen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen - für ein besseres Europa für alle!“

 











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